eclipsed, deutschland (2017) — Trad.Attack!

eclipsed, deutschland (2017)

Rückbesinnung auf alte Musiktraditionen ist in. Dieses junge estnische Trio, welches seine Musik auf der längst verschollener Dorfsänger und anderem Archivmaterial aufbaut, wird in ihrer Heimat mit Preisen nur so überhäuft. Sandra Vabama spielt estnischen Dudelsack, prägt damit neben der Zwölfsaitigen, Zither und allerlei Trommelwerk den Sound der Band, der großartig Gesangstraditionen ihrer Heimat mit modernen pulsierenden Rhythmen verknüpft. Wer heimelige Hausmusik erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Gleich der rasante Opener „Talgo“/ „Working Bee“ überrascht mit extrem viel Wucht, die mehr mit Rock und Metal als mit Folk zu tun hat. Die Maultrommel gerät zum Anheizerinstrument, der Dudelsack zur E-Gitarre. Der Stimmeneinsatz ist virtuos, arbeitet nicht nur archaische Gesangtechniken ein, sondern imitiert auch Metal-Growls, offeriert zudem repetitive Strukturen. Natürlich ist Mittelalterrock mit Drehleier nah. Nur in balladeskeren Momenten („Unelaul“/“Lullabye“) kommt klassischer Folk stärker zum Vorschein. Mehrmals wird’s gar psychedelischer Pop (u. a. „Kabala“). Das Titelstück, ein grandioser ambienthafter Longtrack, setzt dem Ganzen die Krone auf.